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Zentrumspartei

Das Zentrum wurde bereits 1870 gegründet und verstand sich als die Partei des politischen Katholizismus. In ihr versammelte sich ein politisch breit gefächertes Klientel, das von der christlichen Arbeiterbewegung bis zu katholisch-konservativen Kreisen reichte. 

In der Weimarer Republik nahm das Zentrum eine wichtige Rolle ein, da es im Parteiensystem eine bedeutende Stellung in der politischen Mitte hatte. Es war zwar grundsätzlich mit fast allen politischen Gruppierungen von der SPD bis zur DNVP koalitionsfähig, hatte damit aber stärker als zuvor das Problem, die innerparteilichen Gegensätze auszugleichen.

So war sie auf Reichs- wie auf Länderebene an Regierungen der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum und DDP), der Großen Koalition (SPD, Zentrum, DDP und DVP) sowie dem Bürgerblock (Zentrum, DDP, BVP, DVP und DNVP) beteiligt. Dadurch war sie von 1919 bis 1932 mit kurzen Unterbrechungen in allen Reichsregierungen vertreten und stellte fünf Reichskanzler. Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 unterlag der Zentrumskandidat Wilhelm Marx gegen Paul von Hindenburg.

Seit Mitte der 1920er Jahre war ein deutlicher Ruck ins konservativere und nationalere Lager zu beobachten. Diese Bewegung war auch eine Reaktion auf den Ausgang der Reichstagswahl von 1928. Nicht nur in den Großstädten, sondern vor allem im ländlichen und kleinstädtischen Bereich hatte die Partei erhebliche Stimmenanteile verloren. Eine beträchtliche Teilgruppe in der Partei war daraufhin der Meinung, dass nur eine Reklerikalisierung ein weiteres Ausbluten verhindern könnte.

Die Zentrumspartei führte in der Folge der Reichtstagswahlen einen immer erbitterten Kampf gegen die gegen die Verfassung gerichteten Kräfte, besonders die KPD (Spartakusbund) und die immer stärker werdenden Nationalsozialisten.

Die Ernennung Brünings zum ersten Reichskanzler eines Präsidialkabinetts markierte die endgültige Hinwendung des Zentrums zu einer konservativeren Politik. Brüning verfolgte mit seiner rigorosen Sparpolitik nicht nur das Ziel, den Reichshaushalt zu sanieren, sondern wollte auch den Siegermächten des Ersten Weltkriegs demonstrieren, dass Deutschland wirtschaftlich nicht mehr in der Lage war, die Reparationsverpflichtungen des Versailler Vertrages zu erfüllen. Brüning verbot am 13. April 1932 die national-sozialistischen Organisationen SA und SS und wollte die NSDAP als Staatsfeindlich verbieten. Bevor die Zentrumspartei ein solches Verbot durchsetzen konnte, wurde Brüning 1932 von Reichspräsident Hindenburg entlassen.

Der letzte Reichskanzler, der vor seinem Austritt dem Zentrum angehört hatte, war Franz von Papen, der allerdings seit seinem Eintreten für Hindenburg in den Präsidentschaftswahlen 1925 de facto in Opposition zur eigenen Partei stand. Durch seinen Austritt, den er zwei Tage vor seiner Ernennung zum Reichskanzler erklärte, kam er einem Parteiausschluss zuvor. Die Zentrumspartei bekämpfte in der Folge erbittert Papens „Kabinett der nationalen Konzentration“.

Unter dem Eindruck der Verhaftungen der Reichstagsabgeordneten der KPD und den Drohungen gegen die Reichstagsabgeordneten der SPD und des Zentrums, stimmt am 23. März 1933 die Fraktion des Zentrums im Reichstag nach vorheriger Abstimmung mit der NSDAP Hitlers Ermächtigungsgesetz zu und verhalf ihm damit formell zur erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit.

 

Wahlplakate der Zentrumspartei 1919-20
Wahlplakate der Zentrumspartei 1924
Wahlplakate der Zentrumspartei 1930
Wahlplakate der Zentrumspartei 1932
Weitere Wahlplakate der Zentrumspartei